50-Jährige bestehen

Der Bündner Hilfsverein für Gehörlose gratuliert dem Bündner Gehörlosenverein ganz herzlich zum 50 jährigen Jubiläum

 

Der Vorstand des Bündner Hilfsvereines ist stolz darauf, dass in Graubünden bereits seit 50 Jahren betroffene Gehörlose aktiv sind. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass immer wieder für die eigenen Interessen eingestanden wird und viele gesellige Aktivitäten organisiert werden.

 

Gemäss Anfrage Eures Präsidenten, Herrn Bruno Salis, versuche ich hiermit, den Werdegang des Bündner Hilfsvereines für Gehörlose kurz darzulegen. Er wurde 1859 durch den damaligen Schierser Pfarrer, Andreas Flury, gegründet. Die damalige Hauptaufgabe des Hilfsvereins für Taubstumme lag in der finanziellen Unterstützung von Eltern gehörloser Kinder, insbesondere Schulung. Ursprünglich wurde das Ziel verfolgt, eine kantonale Taubstummenanstalt zu gründen. Dieser Plan wurde ca. 1920 wieder fallengelassen, da man zum Schluss kam, die Schülerzahlen in Graubünden seien zu gering. Danach war es dem Hilfsverein mit den bereits gesammelten Geldern möglich, an Einzelne grosszügige finanzielle Unterstützung zu gewähren.

 

Eine Neuorientierung gab es, nach dem 1960 die Invalidenversicherung eingeführt wurde. Ohne dieses Sozialwerk wären die heutigen Schulungs- und beruflichen Möglichkeiten undenkbar. Die finanziellen Unterstützungsleistungen des Hilfsvereins wurden danach vermehrt für Projekte, Weiterbildung, für Institutionen oder für die Aktivitäten der Pfarrherren eingestzt.

 

Gross war die Unterstützung in den vergangenen 2 1/2 Jahrzehnten an die betagten Gehörlosen. Ohne die Initiative von Herrn und Frau Georg und Dora Meng-Baumann sowie die gute Zusammenarbeit mit ihnen hätte der Hilfsverein die Unterstützung in diesem Ausmass nie leisten können. Ich möchte in Erinnerung rufen, dass das Ehepaar Meng von 1971 bis 1974 an der Berggasse in Chur ein Altersheim mit 5 Pensionären führte. Im Herbst 1973 erwarb der Hilfsverein in Zizers das Haus Friedau für Fr. 560'000.-. 1974 konnte die Berggasse-Familie umziehen, nachdem auch Mitglieder der BGV-Sportgruppe bei den Umbauarbeiten behilflich waren. Wir sind stolz darauf, dass in Graubünden das einzige Altersheim für Gehörlose von Gehörlosen selber aufgebaut und auf eigene Rechnung selbsttragend geführt wurde.

 

Nunmehr seit über 15 Jahren führt der Bündner Hilfsverein das Altersheim Friedau. Eine Neuorientierung wird allmählich notwendig. Die Anzahl der gehörlosen Pensionäre sinkt unaufhaltsam. Wir sind zudem nicht in der Lage, pflegebedürftige Pensionäre zu betreuen.

 

Der Hilfsverein verfolgt das Ziel, die Friedau - in welcher Form auch immer - für Gehörlose zu erhalten. Um dieses Ziel erreichen zu können, sind wir auf die Zusammenarbeit mit dem Bünder Gehörlosenverein angewiesen.

 

Überhaupt wäre mein Ausblick für die nächsten Jahre, intensivere Kontakte pflegen zu können. Die Entwicklung des Tätigkeitsfeldes des Bündner Hilfsvereines sollte von den Gehörlosen mitbestimmt werden. Möglicherweise kann die Diskussion über die Aufgabenbereiche der beiden Vereine zu einer ähnlichen Entwicklung führen, wie diese heute gesamtschweizerisch zwischen Selbsthilfe- und Fachhilfe stattfindet. Ich freue mich darauf, den Weg in Richtung partnerschaftlicher, gleichberechtiger Lösungen zu gehen, ohne dabei die Bündner Verhältnisse aus den Augen zu verlieren.

 

In diesem Sinne wünscht der Vorstand des Bündner Hilfsvereines dem BGV viele schöne Erlebnisse und Aktivtäten im Jubiläumsjahr und alles Gute für eine aktive Zukunft